Pen & Paper mit Bildungszweck

Veröffentlicht am Kategorisiert in Rollenspiel
Das Bild zeigt Dominik Rehermann in einer Schulklasse

Dominik Rehermann bringt Pen & Paper in Schulen und hat dafür Epic Education gegründet. Ein Interview.

Eine kurze Bemerkung vorab: Ich bin über Instagram auf Epic Education gestoßen und finde das Konzept super spannend. Ich sehe viele Chancen für Pen-&-Paper-Rollenspiel im Bildungsbereich und freue mich, dass die Würfel auch immer mehr Einzug in Klassenzimmer und Büros gefunden haben. Und auch umgekehrt können wir als Spielleiter*innen unser Spiel verbessern, wenn wir die Augen und Ohren für andere Bereiche offenhalten.

Dafür ist auf dem Blog hier immer Platz.


Max: Kannst du kurz erklären, wer du bist und was Epic Education ist?

Dominik: Ich bin Dominik Rehermann und bin Pädagoge. Ich spiele seit 20 Jahren in verschiedenen Systemen Pen-&-Paper-Rollenspiele – und 2021 habe ich Epic Education als gGmbH gegründet. Wir entwickeln Bildungskonzepte, vor allem im Bereich politische Bildung und Medienbildung für Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene. Wir vermitteln Bildung über Geschichten, denn mithilfe von Storytelling erinnert man sich besser daran. Und dafür nutzen wir eben auch Pen & Paper. Damit machen wir Bildung erlebbar.

Max: Auf eurer Webseite habe ich den Begriff Pen & Paper vergeblich gesucht. Aber euer Icon ist ein hübscher W20. Wie kommt’s?

Dominik: Ja, das wollen wir trennen. Für mich ist Pen & Paper zuerst einmal Unterhaltung und hat eigentlich keinen bewussten Bildungsaspekt, höchstens als Nebenprodukt. Wir sprechen bei Epic Education daher von Bildungsabenteuern und Storytelling. Das basiert zwar unter anderem auf Pen & Paper, hat aber eben einen Bildungszweck.

Epic Education ist eine gemeinnützige GmbH mit Sitz in Wiesbaden. Unsere pädagogischen Konzepte vermitteln abstrakte Themen durch interaktive Geschichten und sind Teil unserer Vision von einem Bildungssystem, das alle einlädt, ihre Talente weiterzuentwickeln. Da wir überzeugt sind, dass Bildung nicht vom Geldbeutel abhängen sollte, haben wir das Ziel unsere Projekte möglichst günstig anzubieten. Dafür sind wir als gemeinnütziges Unternehmen auf Spenden und Förderungen angewiesen. Gemeinsam mit unseren Unterstützer*innen machen wir Bildung zu einer epischen Abenteuerreise.

Max: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Dominik: Ich habe viel mit Jugendlichen gearbeitet, die aus unserem Bildungssystem geflogen sind, ohne Schulabschluss und dann versuchen, irgendwie eine Ausbildung zu machen. Mir ist dabei aufgefallen, dass ich irgendwann meine Erklärungen in Geschichten mit Protagonist*innen verpackt habe. Und das hat super geklappt! Daraus hat sich dann auch unser erstes Produkt entwickelt, die Fake Hunters. Vielleicht ist das unterbewusst passiert, aus Zufall, weil ich einfach seit Jahren spiele.

Max: Was für ein Konzept lauert denn hinter deinen Bildungsabenteuern?

Dominik: Auf der einen Seite sind es natürlich Erfahrungswerte, aber wir arbeiten auch mit Theorien aus der Pädagogik, die etwa erklären, woher die Motivation zum Lernen kommt oder wie wir etwas Lernen, obwohl unser Gehirn eigentlich mit etwas anderem beschäftigt ist.

Max: Was zieht ihr aus den Theorien?

Dominik: Die Idee von Selbstwirksamkeit. Kinder und Jugendliche – und eigentlich auch Erwachsene – brauchen das Gefühl, dass ihr Tun etwas verändert. So entwickelt sich die intrinsische Motivation, weiterzumachen. Deshalb wollen wir mithilfe von Geschichten vermitteln: Was ihr macht, hat Auswirkungen!

Max: Stößt das Konzept denn manchmal auf Vorbehalte?

Dominik: Es kann schon schwierig sein, die Gruppe darauf einzustellen, ihre Fantasie zu aktivieren. Dafür geben wir in den Workshops daher extra viel Zeit, weil das eine Hürde ist, die erst einmal überwunden werden muss. Besonders schön ist dann aber, wenn vorher ruhige Schüler*innen plötzlich aufblühen, weil ihnen plötzlich mehr Raum gegeben wird. Oft kommen Lehrkräfte dann auf mich zu und sagen: „So hab‘ ich die Klasse ja noch nie erlebt!“ Das klappt natürlich nicht immer, aber auch Hobby-Spielleiter*innen wissen ja, dass eine Runde nicht immer so läuft, wie man sie geplant hat.

Max: Wie schaffst du es, dass die Gruppen in diese kreativen Phasen geworfen werden?

Dominik: Zuerst einmal müssen wir ihnen klarmachen, dass wir ihre Ideen ernst nehmen.. Es sind die Jugendlichen, die den Input gestalten, nicht wir. Außerdem starten wir gerne mit etwas Bekanntem, etwa mit Beispielen aus Filmen oder Comics. Wenn wir sie damit abgeholt haben, können sie von dort aus weiterdenken. Ein Beispiel: Wir versetzen sie in einen Feierabend der Gumbas aus Super Mario, die sich darüber beschweren, wie sehr sie wieder auf den Deckel bekommen haben. Das Problem dabei ist natürlich die Zeit. Unsere Workshops gehen sechs Schulstunden, viele Schulen hätten es aber lieber schon in vier geschafft. Da haben wir in der außerschulischen Bildung mehr Freiräume.

Max: Du hast mir im Vorgespräch erzählt, dass du Pen & Paper vor allem als Spielleiter erlebst. Hast du aus deinen Bildungsabenteuern denn schon selbst etwas gelernt, was du auf deine private Runde übertragen konntest?

Dominik: Ich glaube, ich achte mehr auf die Dynamik am Spieltisch. Das war mir vorher nicht so wichtig. Ich greife schon öfter einmal ein, um dann eine Szene zu schaffen, in der auch Spieler*innen glänzen können, die nicht so aktiv sind.

Max: Glaubst du, das hat dein Spiel verbessert?

Dominik: Das müssten wir meine Spieler*innen fragen. Ich behaupte aber, dass es mir seither mehr Spaß macht. Ich verstehe mich vielmehr als zusätzlicher Spieler am Tisch. Das kann ich auch nur allen Spielleiter*innen raten: Kommt weg von diesem alten Gedanken, dass man als Spielleiter*in außerhalb der Spielrunde steht! Ich empfinde mich als der +1-Spieler am Tisch. Und ich persönlich habe damit mehr Spaß, und ich glaube, meine Spieler*innen auch.

Max: Vielen lieben Dank für das Gespräch!

Ein Kommentar

  1. Toller Artikel. 🙂

    Ich habe auch schon seit längerer Zeit darüber nachgedacht Pen and Paper mit Schule zu verbinden. Da gibt es ja zahlreiche Überschneidungen. Das Ganze als außerschulisch Umzusetzen oder vielleicht in Form von AGs / Projekten finde ich klasse.

    Danke für den Beitrag und das Interview.

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